Sternenkinder Homburg

Gedichte

Hier eine kleine Auswahl von Gedichten

Empfehlen möchte ich den wunderbaren Gedichtband

"Noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens...": Texte aus der Erfahrung von Trauernden von Mechthild Voss-Eiser (s.a. Literaturtipps)

Dieser Gedichtband reicht von den ersten verzweifelten Ausrufen direkt nach dem Tode des Kindes bis hin zum Annehmen des Schicksals - jede Trauerphase hat ihre Gedichte.


Es ist was es ist

Es ist Unsinn - sagt die Vernunft
es ist was es ist - sagt die Liebe

Es ist Unglück - sagt die Berechnung
es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst
es ist aussichtslos - sagt die Einsicht
Es ist was es ist - sagt die Liebe

Es ist lächerlich - sagt der Stolz
es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht
es ist unmöglich - sagt die Erfahrung

Es ist - was es ist - sagt die Liebe

Erich Fried


Du hast das Recht

Du hast das Recht,
deine dunklen Stunden zu durchleben
und dich nicht durch billige Sprüche
aus ihnen herauslocken zu lassen.
Schon der Versuch ist eine Entwürdigung
deiner inneren Wirklichkeit.
Du bist auch deine Dunkelheit.
Die Abgründe und Widersprüche
gehören auch zu dir.
Die Schatten geben deinem Leben
Tiefe und Menschlichkeit.
Wer mit dir in Beziehung tritt,
sollte wissen, daß diese Seite zu dir gehört.
Wer sie in dir ablehnt,
hat nicht das Recht,
sich deinen Freund und deine Freundin zu nennen.
Manche geben dir nicht das Recht
auf diese Seite in dir.
Sie erwarten, daß du sie unterschlägst
und das Glück vorspielst.
Vielleicht haben sie weniger Angst für dich
als für sich selbst, weil sie durch dich
an das Unoffene in sich selbst geraten.
Wenn sie darum dir helfen wollen,
geschieht es nicht, um Dir zu helfen, sondern sich selbst.
Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
mußt nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.
Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du mußt nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.
Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.
Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

(aus: Ulrich Schaffer: Grundrechte)


Ich glaube an die Zukunft

Ich glaube an die Zukunft,
ich glaube daran, dass sie schön sein wird,
schöner als die Gegenwart.
Dabei denke ich nicht an den Himmel.
Dazu bin ich viel zu kurzsichtig.
Ich denke an nächstes Jahr,
an nächste Woche,
an morgen,
an den nächsten Augenblick.
Ich denke, dass ich selbst viele Möglichkeiten habe,
dieses Schöne Wirklichkeit werden zu lassen.

Klaus Schäfer



Ein Gebet in der Erschöpfung

Mein Gott, ich liebe Dich nicht.
Ich will es nicht einmal.
Ich bin Deiner überdrüssig.
Vielleicht glaube ich gar nicht an Dich.
Aber sieh auf mich im Vorübergehen.
Wenn Du Lust hast, dass ich an Dich glaube,
dann gib mir den Glauben.
Wenn Du Wert darauf legst, dass ich Dich liebe,
dann gib mir die Liebe.
Ich hab von all dem nichts,
und ich kann nichts dazu tun.
Ich gebe Dir, was ich habe:
Meine Schwäche, meinen Schmerz
und diese Zärtlichkeit, die mich peinigt,
und die Du wohl siehst.
Das Elend meines Zustandes - das ist alles -
Und meine Hoffnung.

Marie Noel


Die wir lieben

Die wir lieben, sind nur geborgt.
Wann sie gehen, entscheiden wir nicht.
Wir entscheiden, ob wir die Erinnerung als Geschenk annehmen wollen.
Niemand ist fort, den man liebt.
Liebe ist ewige Gegenwart.

Stefan Zweig


Das Sterben

Vielleicht ist es kein Weggehen, sondern Zurückgehen?
Sind wir nicht unterwegs mit ungenauem Ziel und unbekannter Ankunftszeit, mit Heimweh im Gepäck?
Wohin denn sollten wir gehen wenn nicht nach Hause zurück?

Anne Steinwart

 


Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen;
und wurde klein und ich wurde groß,
und auf einmal war ich das Erbarmen
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben.
Er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand.
Er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt.

Rainer Maria Rilke


Sag nie über etwas: Ich habe es verloren,
sondern: Ich habe es zurückgegeben.
Dein Kind ist tot? Es wurde zurückgegeben.
Deine Frau ist tot? Sie wurde zurückgegeben.

Epiktet

 


Im Schooß der silberhellen Schneenacht
Dort schlummert alles weit und breit,
und nur ein ewig wildes Weh wacht
in meiner Seele Einsamkeit.

Du fragst, warum die Seele schwiege,
warum sie`s in die Nacht hinaus
nicht gießt? – Sie weiß, wenn´s ihr entstiege,
es löschte alle Sterne aus.

Rainer Maria Rilke

 

Glaubt mir, dass ich, matt vom Kranken,
keinen lauten Lenz mehr mag,-
will nur einen sonnenblanken,
wipfelroten Frühherbsttag.

Will die Lust, die jubelschrille,
nicht mehr in die Brust zurück,-
will nur Sterbesstubenstille
drinnen – für mein totes Glück.

Rainer Maria Rilke


Mein Sternenkind

Du bist ein Kind der Freude und der Sehnsucht
das zu einem Kind der Trauer wurde
Du hast sie nicht gesehen
den Sonnenglanz und die Mondsichel
hast nie in unsere glänzenden Augen geschaut

Nun aber siehst Du das Licht
Du bist gesegnet
Du Kind der Hoffnung
Der Freude und der Liebe
Und mit Dir ist gesegnet
Meine Trauer um Dich!

unbekannt

 


Jedes Leben ist in der Tat
Ein Geschenk
Egal wie kurz
Egal wie zerbrechlich
Jedes Leben ist ein Geschenk
Welches für immer
In unseren Herzen weiterleben wird

Hannah Lothrop

 


Wenn das Schweigen dir zuhört und die Stille spricht,
dann wird die Nacht, in der du weinst dir sagen,
wie wärmend ein Sonnenstrahl ist,
und der Regenbogen wird durch deine Tränen schimmern
und ein kleiner Stern wird nur für dich leuchten ...
dann werde ich dich wieder besuchen!

unbekannt




Wenn etwas von uns fortgenommen wird,
womit wir tief und wunderbar zusammenhängen,
so ist viel von uns selbst fortgenommen.
Gott aber will, dass wir uns wiederfinden,
reicher um alles Verlorene
und vermehrt um jeden unendlichen Schmerz.

Rainer Maria Rilke


Über alle Gräber wächst

Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

Friedrich Rückert



Die Erwähnung des Namens meines Kindes
bringt Tränen in meine Augen,
doch sie bringt auch Musik in meine Ohren.
Wenn Du wirklich mein Freund bist,
lass mich die wunderbare Musik seines Namens hören !
Sie besänftigt mein gebrochenes Herz
und singt zu meiner Seele !

Autor unbekannt



Menschen, die man liebt, sind wie Sterne.
Sie können funkeln und leuchten
noch lange nach ihrem Erlöschen.


Wenn uns die Menschen, die wir lieben, genommen werden,

dann können wir sie trotzdem behalten,

indem wir nie aufhören, sie zu lieben.




Es wird aussehen, als wäre ich tot,
und das wird nicht wahr sein...
Und wenn du dich getröstet hast,
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen.
Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen,
gerade so zum Vergnügen...
Und Deine Freunde werden sehr erstaunt sein,
wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst
und lachst.

Antoine de Saint-Exupéry


 


Du warst ein Kind der Hoffnung,
unsere Liebe um hüllte dich,
unsere Fantasie schmückte dein Leben aus.

Du warst ein Kind der Freude.
Wie eine Blüte ging unser Herz auf,
denn wir erwarteten dich voller Sehnsucht.

Du warst ein Kind des Lebens.
Wir wollten Leben weitergeben
und uns selbst beschenken lassen.

Du bleibst unser Kind.
du bist ein Kind der Sehnsucht,
das zu einem Kind der Trauer wurde.

Du hast sie nicht gesehen,
den Sonnenglanz und die Mondsichel.
Du hast nicht in unsere leuchtenden Augen geschaut.

Nun aber siehst du das Licht,
das strahlende, wärmende Licht
der Liebe Gottes.
auch du wohnst im Hause Gottes,
wo viele Wohnungen sind.

Du bist gesegnet
du Kind der Hoffnung, der Freude
und des Lebens.
Und mit dir ist gesegnet
unsere Trauer um dich,
du Kind bei Gott.

aus "Segen strömt aus der Mitte" von Hanna Strack


Auf den Tod eines kleinen Kindes


Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
Und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unsern welken Jahren
Wir Alten noch gefangen sind.

Ein Atemzug, ein Augenspiel,
Der Erde Luft und Licht zu schmecken,
War dir genug und schon zu viel;
Du schliefest ein, nicht mehr zu wecken.

Vielleicht in diesem Hauch und Blick
Sind alle Spiele, alle Mienen
Des ganzen Lebens dir erschienen,
Erschrocken zogst du dich zurück.

Vielleicht, wenn unsre Augen, Kind,
Einmal erlöschen, wird uns scheinen,
Sie hätten von der Erde, Kind,
Nicht mehr gesehen als die deinen.

Hermann Hesse


Auf den Tod eines Kindes

Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
Ein flüchtger Gast im Erdenland;
Woher? wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Ludwig Uhland

 

Sternenkinder

Still, seid leise,
es waren Engel auf der Reise.
Sie wollten ganz kurz bei euch sein.
Warum sie gingen, weiß Gott allein.
Sie kamen von Gott, dort sind sie wieder,
wollten nicht auf unsere Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihnen zurück,
in unseren Herzen ein großes Stück.
Sie werden jetzt immer bei euch sein.
vergesst nie,
sie waren so klein.
Geht nun ein Wind an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.
Und wenn ihr fragt, wo mögen sie sein?
Ein Engel ist niemals allein.
Sie können jetzt alle Farben sehn
und barfuss durch die Wolken gehn.
Vielleicht lassen sie sich hin und wieder
bei den Engelskindern nieder.
Und wenn ihr sie auch sehr vermisst,
weil sie nicht bei euch sind,
so denkt, im Himmel, wo es sie nun gibt,
erzählen sie stolz: WIR WERDEN GELIEBT!

 

 

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen.

Rainer Maria Rilke